Wissenswertes

Wildbienen

Die wilden Schwestern

Bei der Biene denken alle an die Honigbiene. Sie ist eine Art Vorzeigeinsekt und Sympathieträger, denn sie gilt als fleißig, nützlich und sozial. Und sie produziert unseren Honig. Doch wer kennt ihre wilden Schwestern, die für die Bestäubung der Blütenpflanzen so wichtig sind und dringend unseren Schutz benötigen?

Es summt nicht mehr

WildbieneWas kaum einer weiß: Unsere Honigbiene ist ein Nutztier, eine für die Honigproduktion gezüchtete Rasse, die ohne den Menschen in der freien Natur nicht überleben könnte. Um ein weit verbreitetes Missverständnis auszuräumen: Die Honigbiene ist nicht vom Aussterben bedroht. Sie hat zwar mit der Varroamilbe zu kämpfen, die in den siebziger Jahren durch den Menschen aus Asien bei uns eingeschleppt wurde. Aber wir Imker halten die Milbe durch verschiedene Behandlungsmethoden zumindest in Schach. Allerdings hat auch die Honigbiene unter dem Pestizideinsatz auf den Feldern zu leiden, und nicht wenige Imker beklagen Verluste bei ihren Völkern. Trotzdem nimmt ihre Anzahl in Deutschland seit einigen Jahren sogar wieder zu.

Wenn wir aber vom Insektensterben sprechen, ist nicht primär die Honigbiene gemeint, sondern ihre wilde Schwester – und alle anderen wilden Bestäuber wie Hummeln und Schmetterlinge. Von den etwa 570 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten stehen laut NABU über die Hälfte auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Europaweit sieht es nicht besser aus. Schuld daran ist vor allem der Mensch.

Ein Rückgang der Wildbienen führt zu Artenverlust

Drei Bienen auf BlüteDie Biomasse an Fluginsekten insgesamt ist in Deutschland seit 1989 um zwei Drittel zurückgegangen, so belegt eine Studie deutscher, holländischer und britischer Forscher (Krefelder Studie). Das Problem dabei: Der Rückgang der Insekten führt zu weiterem Artenverlust. Das Ökosystem gerät in Gefahr. Die Wildbienen sind ja nicht nur für die Bestäubung vieler Blütenpflanzen wichtig, darunter bedeutsame Nutzpflanzen. Viele andere Tiere leben wiederum von den Wildbienen. Ohne die Wildbienen sterben auch sie. Das bedeutet konkret: Der Rückgang der Brutvögel in Deutschland stimmt mit dem Rückgang der fliegenden Insekten exakt überein.

Wilde Bienen bestäuben besser

Hummel auf CosmeaMit 87,5 Prozent (Schätzung 2011) ist ein Großteil der Blütenpflanzen weltweit von der Bestäubung durch Tiere abhängig. Ohne Bienen würden die Erträge von bis zu drei Viertel der Nutzpflanzen stark schrumpfen. Wildbienen sind in der Bestäubung oft effektiver, ihre Arbeit erbringt bessere Früchte als die der Honigbiene. Das liegt auch daran, dass die Wilde nicht auf einem Baum bleibt, sondern zwischen den Bäumen wechselt. Das vermischt den Pollen verschiedener Pflanzen, was die Qualität und den Ertrag erhöht. Da sie den Pollen trocken sammelt und nicht verklebt wie die Honigbiene, erfolgt ein guter Pollenaustausch. Manche einzelne Wildbiene erbringt die Bestäubungsleistung von 80 bis 300 Honigbienen.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Je mehr verschiedene Arten von Bestäubern unterwegs sind, umso besser funktioniert sie und umso besser ist das Ergebnis. Wo es keine Wildbienen gibt, fällt die Ernte geringer aus. Und: Wenn Honigbienen mit anderen Bestäubern zusammenarbeiten, fallen die landwirtschaftlichen Erträge nicht nur höher aus, sondern die Qualität der Früchte steigt deutlich.

HummelDie Bienen ergänzen sich in einem komplexen Zusammenspiel. Fällt eine Art weg, hat das Auswirkungen auf das Gleichgewicht. Einige Pflanzen sind auf die Wilden angewiesen, da die Honigbienen diese gar nicht bestäuben können oder wollen, sei es weil ihr Rüssel zu kurz ist oder weil sie die Blumen schlicht nicht mögen. Besonders gefährdet sind die Spezialisten unter den Bienen, die nur eine Pflanzenart anfliegen. Verschwindet die Pflanze, findet die Biene keine Nahrung und stirbt aus. Und verschwinden die Nistmöglichkeiten, gibt es keine Nachkommen, die die Pflanze bestäuben. So stirbt auch die Pflanze aus. Wildbienen sichern also nicht nur die Ernteerträge, sondern auch die Vielfalt und das Überleben zahlreicher Wildpflanzen.

Industrielle Landwirtschaft, intensive Forstwirtschaft und zubetonierte Städte

Viele Kulturpflanzen müssen von Insekten bestäubt werden, um hohe Erträge zu bringen. Leider sind die Lebensräume der Wildbienen durch unsere auf Effizienz getrimmte Landwirtschaft stark zurückgegangen. Das bedeutet: immer größere Felder und ein Rückgang der grünen Feldränder mit Hecken und Büschen; Monokulturen, die nur kurze Zeit blühen; Schwund an Acker- und Wiesenbrachen, die den Bienen Nistplätze und Nahrungsquelle zugleich sind. All das zusammen macht den Bienen das Biene auf LöwenzahnÜberleben schwer. Gar nicht zu reden von den Herbiziden, die in großen Mengen zur Unkrautvernichtung auf den Feldern ausgebracht werden. Womit zum Teil genau jene Pflanzen vernichtet werden, auf die sich viele Bienenarten spezialisiert haben. Die Pestizide, namentlich die Neonicotinoide, die das Orientierungsvermögen der Bienen stören und ihr Immunsystem schwächen, geben zusammen mit der Überdüngung der Böden den Insekten den Rest. Ob das seit Ende April 2018 europaweit gültige Verbot von drei bienenschädlichen Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide etwas bringt, bleibt abzuwarten. Werden diese Gifte durch andere mit gleicher Wirkungsweise ersetzt, ist für das Ökosystem nichts gewonnen. Letztlich führt kein Weg an einer ökologisierten, weitgehend chemiefreien Landwirtschaft vorbei.

Naturwälder, die frei von forstlichen Eingriffen sind, gibt es nicht mehr viele. Denn die Wälder in Deutschland werden intensiv wirtschaftlich genutzt. Die Folge: Die schweren Maschinen zum Fällen der Bäume verdichten den Boden, es gibt zu wenig alte Bäume, zu wenig Totholz und kaum dickes junges Holz: All das sind wichtige Lebensräume für die Insekten.

Biene auf KrokusAuch in den Städten schwindet ihr Lebensraum durch Flächenversiegelung: Täglich wird fruchtbarer Boden mit Asphalt und Beton zugedeckelt, werden Bäume für den wachsenden Verkehr gefällt. Die nächtliche Lichtverschmutzung nimmt zu, wodurch Milliarden von Insekten jede Nacht sterben. Und leider verspritzen immer noch viele Heimgärtner in ihren Privatgärten tonnenweise Pestizide, verwandeln ihre Gärten in Steinwüsten oder in eine Ödnis aus pflegeleichtem Rasen und Thuja- und Kirschlorbeerhecken. Dabei wären pflanzenreiche, naturnahe Gärten, zusammen mit den städtischen Parks, so wichtig als Insekten-Oasen in unserer verarmten Kulturlandschaft.

MohnblumenwieseJeder Einzelne ist hier angesprochen und muss sich fragen: Was kann ich tun, um die Artenvielfalt im Allgemeinen und die Wildbienen im Besonderen zu erhalten? Man kann recht viel tun, mehr als man gemeinhin denkt. Eine Möglichkeit unter vielen ist, im eigenen Garten oder auf dem Balkon Bienenweiden zu pflanzen und für Nistgelegenheiten zu sorgen. Daher gibt es hier für Hobbygärtner ein paar Pflanztipps.